COMPILATION DAS ZK EMPFIEHLT ... SOLIDARITÄT CD

Art.Nr.: MBR 107

Hersteller: MAD BUTCHER RECORDS

EUR 5,00
inkl. 19 % USt

  • Gewicht 0,12 kg

Produktbeschreibung

01.OPEN SEASON (CH) - STAND FIRM
02.LOS FASTIDIOS (IT) - ANTIFA HOOLIGAN
03.ATARASSIAGRÖP (IT) QUELLO CHE RIMANE
04.MICROPHONE MAFIA (DE) - BELLA CIAO
05.TALCO (IT) - IL PASSO DEL CACIURDO
06.MARCUS PEPPER LOVE REVUE (IT) - TREAT HER LIKE A LADY
07.KAY DEGENHARDT (DE) - AY CARMELA
08.REJECTED YOUTH (DE) - ANTIFASCISTA
09.DAVID HILLIARD AND THE ROCKSTEADY 7(US) - SONG OF THE UNITED FRONT
10.NO RELAX (ES) - AUN PUEDES GRITAR
11.PANNONIA ALLSTARS SKA ORCHESTRA (HU) - HELLO GAGARIN
12.ANGELIC UPSTARTS (UK) - ANTI NAZI
13.REDSKA (IT) - RABBIA E LIBERTA
14.RAZOR BOIS (RU) - UNITY OR NOTHING
15.THE MOVEMENT (DK) - TURN AWAY YOUR FACES
16.RED UNION (RS) - THE PARTISAN
17.BLAGGERS ITA (UK) - THAT´S HOW IT ENDS
18.WHAT WE FEEL (RUS) - GOOD NIGHT WHITE PRIDE
19.THREE O´CLOCK HEROES (DE) - DOWN AT THE TUBESTATION AT MIDNIGHT
20.THE OPPRESSED (UK) - I DON`T WANNE
21.KLOWNS (RUS) - LOVE MUSIC HATE RACISM

 

SolidariTÄT

In letzter Zeit sind immer wieder vereinzelte Informationen über den Ausmaß des rassistischen und faschistischen Terrors in Russland an die Öffentlichkeit gekommen. Die russische Menschenrechtsorganisation SOVA zählte für 2005 mindestens 47 Morde und 461 Angriffe aus rassistischen/nationalistischen Motiven. 2006 stiegen die Zahlen auf 54 Morde und 541 Angriffe, 2007 waren es 72 Getötete und allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2008 schon 33 Mordopfer. Und gezählt wurden nur jene Fälle, welche bekannt wurden; die wirkliche Zahl dürfte weitaus höher liegen. Die Morde sind Ausdruck eines weit verbreiteten Rassismus, aber auch einer fortschreitenden Radikalisierung rechter Organisationen und Skinhead-Gruppierungen.  Die russische Staatsführung, welcher sich mehr und mehr von einer auch nur parlamentarischen Demokratie entfernt, reagierte mit einigen  Lippenbekenntnissen und nutzen den angeblichen Kampf gegen den Faschismus als Label bei der Unterdrückung jeglicher politischen Opposition. Putin und mit ihm die Machtpartei „Einheitliches Russland“ pflegen seit Jahren eine Rhetorik der nationalen Wiedergeburt.
Es gibt in Russland keine großen unabhängigen Gewerkschaften, Arbeiterbewegungen oder langjährige antirassistische Strukturen mit demokratischer, antifaschistischer Tradition. Allerdings existieren inzwischen vielfältige Zusammenhänge und es gibt unterschiedlichste Aktivitäten sich den Nazis in den Gerichten und auf den Straße entgegenzustellen. Ihre Kämpfe sind unbedingt notwendig – die Alternative wäre Kapitulation – aber sie sind teuer. Daher haben Antifaschisten international zu Solidaritätsaktionen für die russischen AntifaschistInnen aufgerufen.
Dieser Sampler ist ein Teil dieser Solidarität. Der Gewinn des Samplers wird nach Russland weitergeleitet . Aber es geht nicht nur um das Geld, mit dem nachstehenden Text wollen wir auch über die Situation in Russland informieren und euch zu weiteren Solidaritätsaktionen auffordern.
Weitere Informationen und Unterstützung könnt ihr über die beteiligten Projekte bekommen. Wer Geld spenden möchte kann dies über die folgenden Solidaritätskonten tun:

Die politische Situation in Russland
Am Morgen des 19.06.2004 schellte es in St. Petersburg an der Tür von Nikolai Girenkos,  als dieser an die Tür trat wurde durch die Tür hindurch geschossen, der 64 jährige Girenkos war sofort tot. Immer wieder hatte der überzeugte Antifaschist und Antirassist Girenkos in den Medien auf die wachsende extreme Rechte aufmerksam gemacht. Der Wissenschaftler war ein ausgewiesener Kenner der rechten Organisationen  und trat immer wieder bei Prozessen als Experte auf. Dieses Engagement hatte ihn in die „Schußlinie“ der extremen Rechten gebracht, kurz nach dem Mord bekannte sich eine rechte Splittergruppe zu der Tat, die Täter wurden nie ermittelt. Der gezielte Mord an einem Antifaschisten  wirft ein Schlaglicht auf die Situation in Russland, sowohl im Bezug auf die Gefahr welche von der extremen Rechten ausgeht, aber auch was den Umgang des Staats mit dieser betrifft, denn die Täter wurden nicht ergriffen, die Organisationen, welche mit dem Mord in Verbindung gebracht wurden mit verboten. Der Mord an Girenkos war der erste an einem aktiven Antifaschisten in Russland, aber leider inzwischen längst nicht der einzige. Publik wurde z.B. der Mord an dem 19jährigen Hardcore-Musiker und Antifaschist Timur Kacharava am 13.11.2006 ebenfalls in St. Petersburg.  Timur, der in den Bands Sandinista und Distress spielte und als Aktivist der linken Szene bekannt war, wurde nach einer Food-Not-Bombs-Aktion auf offener Straße von Neonazis erstochen. Er rauchte mit einem Begleiter vor einem Buchladen auf seine Freunde , als die beiden von einer größeren Gruppe Nazischlägern überfallen wurden. Timur erlitt so schwere Verletzungen, dass er in nur zehn Minuten nach dem Angriff verstarb. Am 16. März dieses Jahres griffen im Zentrum Moskaus etwa 15 Neonazis 7 Personen an, die auf dem Weg zu einem Punk-Konzert waren. Der 16 jährige Alexey Krylov verstarb an den Folgen von mehreren Messerstichen noch vor Ort. Alexey war antifaschistisch engagiert, Punk und daher schon an seinem Äußeren zu erkennen.
Bei Nikolai Girenkos und  Timur Kacharava wird davon augegangen das es sich um gezielte Mordtaten handelte,  Der Überfall auf Alexey Krylov  hingegen richtete sich gegen antifaschistisch/anlternative Menschen als solches. Schon Tage vorher wurde im Internet-Forum der Fans des Fußball-Club "Spartak-Moskau“, dessen Fans für ihre rassistisch/nationalistische Haltung bekannt sind, Informationen zu dem Konzert und zu einem richtigen Vorgehen beim Überfall veröffentlicht. Es war also ein organisierter Mord. Obwohl die beiden erst genannten Morde  für viel öffentliche Aufmerksamkeit sorgten war ihre juristische Aufarbeitung mangelhaft. Zumeist werden solche Übergriffe von der Polizei als Rowdytum eingestuft, Die Hintergründe werden kaum in den russischen Medien thematiesiert. All das wirft ein Schlaglicht auf die Situation von AntifaschistInnen in Russland. Girenko, Kacharava und Krylov stehen hier nur beispielhaft für viele Opfer. Und die Zahl der Opfer steigt dramatisch, die Überfälle und die Auseinandersetzungen nehmen zu.
Dimensionen des Grauens
Zwar unterscheidet sich die extreme Rechte auf Grund der Geschichte Russlands von der anderer Länder, die Feindbilder sind jedoch die Gleichen. Alles, was als nicht „russisch“, oder nicht „arisch“ eingestuft wird, gilt es zu verdrängen oder zu vernichten. Dabei  sortieren sie nach Hautfarbe oder vermeintlichen Eigenschaften wie Homosexualität. 72 Menschen wurden nach einer Zählung des unabhänigen Moskauer SOVA-Institus 2007 von Rechten ermordet, da sie nicht in deren Weltbild passten. Mindestens 573 wurden allein in den ersten 11 Monaten 2007 bei rassistischen Übergriffen verletzt. Die Hauptopfergruppen von Ihnen waren schwarze und dunkelhäutige Menschen. Vor allem ausländische Studenten und Menschen aus dem Kaukasus wurden immer wieder Opfer der Angriffe, aber auch jugendliche Anhänger verschiedener Subkulturen. In Einzelfällen kam es zu organisierten Übergriffen auf kaukasische Händler, die auf öffentlichen Märkten von extrem rechten Jugendlichen angegriffen und verletzt wurden. Auch bei den rassistischen Attacken leugnet die Polizei oftmals die politischen Motive der Täter. Übergriffe auf Obdachlose sind bisher kaum in der Statistik enthalten. Gerade in diesem Bereich ist jedoch eine hohe Dunkelziffer an Opfern zu vermuten.

Extreme Rechte in Russland
Auf Grund der Geschichte Russlands existieren auch hier unterschiedliche Strömungen der extremen Rechten, welche sich ideologisch und in ihren historischen Bezugspunkten teilweise widersprechen. So bezieht sich nur ein kleiner Teil der extremen Rechten offen auf den Nationalsozialismus. In weiten Kreisen  der Bevölkerung wird der Nationalsozialismus auf Grund des Überfalls von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion, welcher ca. 20 Millionen Bürgern der Sowjetunion das Leben kostete, abgelehnt. Der Nationalsozialismus wird hier als „unrussisch“ und Russland feindlich eingestuft. Das Wissen über den Holocaust ist jedoch kaum vorhanden, es ist weniger eine ideologisch begründete Ablehnung, als vielmehr eine tradierte, teilweise sogar eine nationalistische Ablehnung. Wichtiger als die Neonazis sind die Organisationen des russischen Nationalismus, welche der imperialistischen Phantasie einer neuen Weltmacht Russland anhängen. Auch deren Ideologie ist mit rassistischen und antisemitischen Motiven aufgeladen. Eine relativ neue Entwicklung ist, dass Organisationen sich inhaltlich am Thema Migration orientieren, wie die „Bewegung gegen illegale Immigration“, welche nicht über einen wirklich geschlossenen rechten Gesellschaftsentwurf verfügt, sondern mit rassistischen und nationalistischen Parolen mobilisiert. Offensichtlich handelt es sich hierbei um ein strategisches Vorgehen, denn der Vorsitzende dieser „Bewegung gegen illegale Immigration“  Alexander Below (Potkin)  war schon  in der ersten nationalistischen Organisation „Pamjat“ zur Zeit des Perestrojka aktiv.

Neonazistische Szene immer militanter
Anhänger des Nationalsozialismus und damit  Neonazis sind in Russland heute vor allem in der extrem rechten Skinheadszene zu finden. Ca. 70.000 Anhänger hat die  Szene der rechten Skinheads und Fußballfans. Auch in Russland spielt Musik eine wichtige Rolle, Bands wie Kolovrat (Hakenkreuz) oder T.N.F. (Terror National Front) hetzen durch ihre Texte auf, sind Vorbilder was den Stil der Szene betrifft. Dieser Style unterscheidet sich kaum vom Auftreten neonazistischer Skinheads in Europa. Die meisten der rassistischen Attacken wurden von rechten Skinheads verübt. Teilweise sind diese lokalen Gruppierungen gut organisiert und koordiniert, vor allem in den großen Städten existieren lokale Gruppen. Es fällt auf, dass sich die Zusammensetzung der gewaltbereiten rechten Skinheadszene in der letzten Zeit verändert hat. Aus einer von Minderjährigen dominierten Subkulturszene in bandenähnlichen, undisziplinierten Gruppierungen mit geringer Kontinuität entwickeln sich nach und nach stabile und organisierte Einheiten. Älter geworden zu sein, eine Ausbildung oder einen Beruf gefunden zu haben, bedeutet längst nicht mehr automatisch, dass rechte Skinheads die Szene wieder verlassen. Statt dessen bleiben viele von ihnen immer häufiger auf Dauer in ihren Strukturen und reichern diese mit ihrer Erfahrung an. Diese bringen auch jene ein, die nach Absitzen von Haftstrafen in ihre alten Strukturen zurückzukehren. Sie werden nicht selten zu „Helden“ der extremen Rechten. Neu ist die Tendenz, dass nicht mehr nur Messer oder Eisenstangen bei Übergriffen eingesetzt werden, sondern vermehrt Schusswaffen und Sprengstoff. Dafür werden nicht nur entsprechende finanzielle Mittel benötigt, sondern entsprechende Schulungen. Auch dies spricht für einen erhöhten Organisationsgrad innerhalb der extrem rechten Szene. Das Ausmaß der Gewalt nimmt dadurch ganz neue Dimensionen an. Kam es in den letzten Jahren schon zu organisierten Überfällen auf nicht russische Händler, so wurden im August 2006 bei einem Sprengstoffanschlag auf einen Moskauer Markt 13 Menschen getötet, 53 wurden verletzt.

Militante Splittergruppen
Neben dem klassisch jugendkulturell geprägtem Bereich, also der RechtsRock und Skinheadszene existieren auch explizit politisch ausgerichtete Gruppen. Lange Zeit war die „Russsische Nationale Einheit“ (RNE) die wichtigste Gruppierung dieser Szene. Die RNE organisierte paramilitärische Wehrsportlager und hatte lokale Basisgruppen, welche in vielen Landesteilen aktiv waren. Ende der 90er zerbrach die RNE in Untergruppen(*stimmt nicht). In der Nachfolge der RNE entstanden nationalsozialistische Gruppen wie die Gruppierung Format 18, die Nationalsozialistische Gesellschaft (NSO) oder die Nationalsozialistische Bewegung Slawischer Bund (SS) .

Selbstbewußter
Das Selbstbewußtsein der Neonazistischen bzw. der Rechten Skinhead-Gruppierungen ist gestiegen, sie präsentieren sie sich offen auf Plätzen und in Kneipen. Auch suchen sie den Zugang zu den Medien. Sie orientieren sich inzwischen an bekannten Politikern, welche zum Großteil aus der extremen Rechten, aber aus dem russisch Nationalistischen Bereich kommen, welche den Naziskins behilflich sein können, aus ihrem bisherigen Randdasein heraus zu einem Faktor in der russischen Politik aufzusteigen, den zu ignorieren unmöglich ist. So hat Dmitrij Demuschkin, der Anführer des  Slawischen Bund , im Jahr 2006 den Sprung vom Internet ins Fernsehen geschafft. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt er noch durch  Nikolaj Kurjanowitsch, für den Demuschkin als Referent tätig ist. Kurjanowitsch wurde im Herbst aus der Liberaldemokratischen Partei von Wladimir Zhirinowskij ausgeschlossen und trat daraufhin dem SS bei, bis zum Dezember 2007 saß er in der Duma. Er lässt sich nicht nur gerne mit erhobenem rechten Arm ablichten, sondern nutzte fleißig seinen Abgeordnetenstatus im Sinne seiner neuen politischen Heimat.


Großrussland
Weit aus größer als die Anhängerschaft des Nationalsozialismus ist jene, die der russischen Nationalisten. Früher war es die monarchistische Pamjat-Bewegung, welche Russland wieder in ein Zaren-Reich verwandeln wollte. Diese ist heute aber nicht mehr von Bedeutung. Statt dessen hat sich eine Reihe von Gruppierungen, Parteien und Organisationen gebildet, welche als russische Nationalisten bezeichnet werden müssen. In ihrer Ideologie ähneln sie durchaus den Neonazis, wie diese lehnen sie die Demokratie ab, fordern einen starken Staat, sehen in den Juden die Schuldigen für die Probleme in Russland und träumen davon Russland wieder zu einer Großmacht zu machen.
Von Seiten des Kremel wird versucht die Nationalisten zu integrieren. Viele von ihnen sind inzwischen in der vom Kremel unterstützte Partei „Rodina“ (Heimat) aktiv. Diese vertritt nationalistische Positionen und spricht so ein rechtes Wählerpotential an, ohne jedoch offen rassistisch und antisemitisch zu sein.

\'Bewegung gegen illegale Immigration\'
Auch in Russland hat mittlerweile eine rassistisch-rechtspopulistisch ausgerichtete Organisation großen Anteil an der popularisierung und dynamisierung rechter Parolen. Es ist die 2002 gegründete \'Bewegung gegen illegale Immigration\' (DPNI). Diese sich teilweise an der FPÖ Haiders und an der Front National Jean-Marie Le Pens orientierende Organisation gibt vor sich für die Interessen des russischen Volkes einzusetzen. Dabei verzichtet sie auf klassisch antisemitische Argumente, wie sie in großen Teilen der russischen Rechten üblich sind, sondern konzentrieren sich darauf die Schuld für soziale Missstände bei angeblich „illegalen Immigranten“ zu suchen. Darunter versteht die DPNI vor allem Menschen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken und mit dunkler Hauptfarbe. Die DPNI war in einigen Situationen in der Lage lokale Konflikte ethnisch aufzuladen und, nachdem sie den Sündenbock gefunden hatte, über das Internet ihre Anfänger zu mobilisieren. Die DPNI war imstande, die pogromartigen Situationen schnell für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, und sich mittels. nationalistischer Kundgebungen als „Stimme des Volkes“ zu gerieren. Der DPNI ist es gelungen ein Themenfeld zu besetzen, in dem sie mit einer hohen Zustimmung der russischen Bevölkerung rechnen kann, immerhin stimmen hier 55% der Forderung “Russia for Russians” zu, zu besetzen. Gerade im Bereich der Propaganda gehört die DPNI zu den wichtigsten extrem Rechten Organisationen in Russland.
Die DPNI versucht sich als Samlungsbewegung darzustellen, in der Rechte aus allen Lagern einen Platz haben. In letzter Zeit hat sie auch paramilitärische Strukturen aufgebaut, was ihre Attraktivität für militante Anhänger erhöht. Auch ist  sie seit 2005 federführend an der Organisation des „Russischen Marsch“ geteiligt, mit diesem gegen Migranten gerichteten Marsch, an dem sich bis zu 3000 Anhänge beteiligten, mobilisieren sie die Rechten auf die Straße und verschaffen ihnen eine große Aufmerksamkeit. Der „Russische Marsch“ zeigt gut das wechselspiel zwischen extremer Rechter und stattlicher Politik. Er findet jährlich am neue gechaffenen „Tag der nationalen Einheit“ statt, eine Steilvorlage für die extreme rechte die diesen Aufgriff und mit rassistischen Parolen füllt.
Das Agieren des Staat - Vaterland und starker Staat
Sowohl in der Regierungspolitik als auch innerhalb der extremen Rechten werden Mythen über die Verteidigung der „russischen Identität“ und die „Interessen der russischen Nation“ gesponnen. Wer meint, angesichts der Rolle der Sowjetunion bei der Niederschlagung des Nationalsozialismus und des internationalen Faschismus seien nationale Mythen schwer zu inszenieren, irrt. In den heroischen Geschichten über den „Großen Vaterländischen Krieg“ gegen die Deutschen 1941 bis 1945, die fast jeden Abend  über russische Fernsehschirme flackern, fällt es heute schwer, andere Beweggründe auszumachen als „die Verteidigung des Vaterlands“, der Krieg mutiert zu einem Beleg für die Überlegenheit Russlands.  Nationalismus tritt an die Stelle des Föderalismus und der Stimmung demokratischer Emanzipation, welche die Entwicklung in Russland Ende 1980er – Anfang 1990er Jahren charakterisierte.
Der rapide Niedergang der jungen russischen Demokratie, der einher ging mit grausamen Menschenrechtsverletzungen im Zuge des Tschetschenien- Feldzugs, der Übertragung großer Machtbefugnisse an den Geheimdienst durch das Parlament, der offensichtliche Inszenierung von Scheinwahlen ohne wirklichen Alternativen und die Abschaffung unabhängiger Medien jenseits des Internet erschaffte eine Atmosphäre der Lähmung und der Angst. Hohe Politiker schüren rassistische Vorurteile gegen Menschen aus anderen Sowjetrepubliken, vorwiegend gegen solche mit dunklerer Hautfarbe aus dem Kaukasus. So verboten sie diesen 2006 per Gesetz, weiterhin als Händler auf den Märkten tätig zu sein und unterstellten hier eine kriminelle Tätigkeit. Dieser stattliche Rassismus und Nationalismus ermöglichte es den Nazis und ihren rechtsextremen Verbündeten, in diesem Windschatten rassistische Kampagnen durchzuführen und dienen als Legitimierung um Morde zu begehen, von denen viele nicht bestraft werden.
„Rowdytum“
 Die Reaktionen der russischen Behörden auf die Morde und Angriffe waren zumeist schwach und weitgehend uneffektiv. Die Strafverfolgungsbehörden und die Staatsanwaltschaft verfolgen nur die wenigsten Fälle und dann auch meist unter dem Vorwurf des „Rowdytums“, was zu einer entpolitisierung der Taten führt. Die bereits vorhandenen Gesetze gegen rassistisch motivierte Gewalttaten, Artikel 282 des Strafgesetzbuchs, kommen kaum zur Anwendung. Rachel Denber, stellvertretende Direktorin der Europa- und Zentralasien-Abteilung von Human Rights Watch, sagt, gewalttätige, rassistische Straftaten als „Rowdytum“ abzuhandeln, verschleiere nicht nur die Tatsache, dass es sie gebe, sondern mache es auch schwieriger, diese aufzuspüren. Zudem wirke es sich strafmindernd aus. Präsident Putin hat angesichts der internationalen Aufmerksamkeit versprochen, die extreme Rechte zurückzudrängen. Die weitere Eskalation hat er jedoch nicht verhindert.
Antifa
Rechte wollen die von ihr erträumte normierte Gesellschaft durchsetzten, dafür üben sie Gewalt aus. Sie greifen Menschen mit dunkler Hautfarbe, Punks, Homosexuelle/Lesben und Andersdenkende an. Dem wollen sich auch immer mehr Menschen in Russland nicht beugen. Auch hier entwickelt sich Gegenwehr. In Russland gibt es keine großen Gewerkschaften,  Arbeiterbewegungen oder langjährige antirassistische Strukturen mit demokratischer, antifaschistischer Tradition. Erst kleine Gruppen oder einzelne AktivistInnen. Teils kommen diese aus der Menschenrechtsbewegung, wie das SOVA-Institut, welches systematisch die rechten Aktivitäten aber auch andere Menschenrechtsverletzungen beobachten. Eine andere große Gruppe sind junge Menschen, teils Punks, teils Harcore-Fans, welche die Angriffe nicht mehr ertragen und anfangen sich zu wehren.
Jene die sich in Russland der extremen Rechten entgegenstellen brauchen Unterstützung, Anwälte müssen bezahlt werden, Flugblätter kopiert, Räume gemietet werden usw. Ihre Kämpfe sind unbedingt notwendig – die Alternative wäre Kapitulation – aber sie sind teuer. Daher haben international Antifaschisten zu Solidaritätsaktionen für die russischen AntifaschistInnen aufgerufen.  Und wir rufen nun euch auf, zeigt eure Solidarität, schreitet zur TAT.